Retrokleid #OOna für kleine Mädchen

In einer der letzten La Maison Victor Zeitschriften, habe ich ein megasüßes Minilatzkleid für Mädchen entdeckt… Da ich eine Jungsmama bin, wurde Luzia meine Nichte damit beglückt 🙂 …

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Ich steh ja so auf Vintage Klamotten. Auch wenn ich mir persönlich (noch!) keine genäht habe … Wenn ich Bilder der 50er, 60er und 70er Jahre sehe, inspiriert mich das einfach… warum eigentlich, habe ich mich gefragt, und zumindest für mich selbst herausgefunden, was das spezielle an dieser Ära war…

(Während meiner Näharbeit lief übrigens diese Playlist (unten) … Ich finde das Bild ja sooo geil… 😉

Ich glaube der Retro-Trend orientiert sich hauptsächlich an dem damaligen Lebensgefühl, was auf jeden Fall sehr stark von der Werbung beeinflusst war… zumindest vermute ich das, wenn ich mir die Werbeschaltungen von damals so ansehe …

Da bekomme ich gewiss keine Lust auf Vintage. Alles war so Klischee-behaftet, förmlich, angepasst, unfrei… ja und auch naiv…

In der breiten Masse ging der Mann arbeiten und brachte das Geld nach Hause, die Frau kümmerte sich um das Haus und die Kinder. Ob beide das wollten? Die Frage stellte sich wohl gar nicht… es war einfach so. Man sollte doch auch nicht aus der Reihe tanzen… Außenwirkung war wichtig …

Natürlich gab es auch viel Positives. Die Produkte, welche es zu Kaufen gab, waren langlebig. Qualität war den Leuten wichtig. Man überlegte, bevor man investierte. Elektrogeräte waren im Verhältnis viel teurer als heute. Man vertraute der Marke.

Dass erinnert mich gerade an meine Oma, welche leider schon verstorben ist. Sie hatte zu Hause definitiv das Sagen (was damals eher unüblich war). Oma managte die 4 Kinder und den Haushalt, ich kann mich noch gut erinnern, dass Opa auf dem Sofa saß und dem ganzen Trubel genüsslich zusah… Nach dem Essen wurde abgewaschen. Ich musste immer beim Abtrocknen helfen. Das war der Oma sehr wichtig. Im Anschluss wurden in kleinen Schüsserln cremige Nachspeisen serviert, oder Oma schälte auf einem braunen ovalen Tablett, einen Apfel und reichte ihn in die Runde… später wurden Kreuzworträtsel gelöst. Sie war ein sehr herzlicher, positiver, aber auch ein dominanter Mensch. Eine leidenschaftliche Hausfrau würde ich sagen. Schlank und immer sauber gekleidet. Beim Hauseingang gab es ein kleines Zimmer, mir wurde gesagt dass sie dort Leute aufnahm, welche gerade in Not waren. Ihre Kochbücher dufteten nach Vanille, weil sie in derselben Lade aufbewahrt wurden wie die Backzutaten. Im Flur befand sich ein Wandschrank, welcher mit Lebensmittel prall gefüllt war… Recheis Nudeln, Uncle Bens Reis, WC Ente, sie hatte immer die gleichen Produkte und Marken zu Hause. Es gab kaum Veränderung. Wenn sie mich sah, und dass war leider viel zu selten, drückte sie mich vor lauter Freude und sagte: „Mein Dirndl, schön dass du da bist“ oohhh dass war Balsam für die Seele 🙂 . Ich nahm ihr bei jedem Besuch eine Zeichnung oder was Gebasteltes mit. Dies bewahrte sie dann gewissenhaft in einer extra Schublade in ihrem Schlafzimmer auf. Dieses Gefühl der Sicherheit, der Langlebigkeit, des Unverändertseins, kann etwas ganz Schönes sein (auch wenn ich ein Kind der 80er bin, glaube ich zu wissen dass es bei meinen Großeltern auch in den 60ern und 70ern genauso gelaufen ist).

Meine Oma ist und war jedenfalls einer der wichtigsten Personen in meinem Leben. Keiner Person hab ich je so nachgetrauert wie ihr. Als ich 17 Jahre alt war, ruf sie mich plötzlich eines Freitages an. Sie hatte mich noch nie vorher angerufen, und fragte wann ich sie denn wieder mal besuchen komme. Ich versicherte ihr dass ich am Montag vorbei schauen würde. Am Sonntag bekam ich dann den taurigen Anruf von meinem Papa, dass sie leider an einem Lungeninfarkt gestorben sei. Das war ein völliger Schock für mich, denn meine Oma war noch nicht alt und sehr vital… 😦 😦

TrilliOma
Papa, ich, Oma

Heutzutage ist alles viel schnelllebiger. Gekaufte Produkte geben nach kurzer Zeit den Geist auf. Da wächst doch in manchen wieder das Bedürfnis nach  hoch qualitativen Produkten, wie sie es auch damals hauptsächlich gab. Wer suchet, der findet… zB auf Flohmärkten, Ebay und Co … Lounge Chairs, eine Retro Schreibtischlampe, ein alter Servierwagen, Schallplatten…

Auch sehr viele Modedesigner lassen sich von dem damaligen Kleidungsstil inspirieren… Petticoats, Pencil Skirts, A-Linien Kleider sind Klassiker und auch in der heutigen Mode nicht mehr wegzudenken…

FAZIT: Ich mag das Design und den Flair der Retro Zeit. Bei weitem nicht alles, aber vieles. Vor allem die Kleider finde ich super… sehr weiblich und sexy, mit „relativ“ einfachen Grundschnitten. Die Musik finde ich ebenfalls großartig. Ich steh auch auf Einrichtungsgegenstände von damals und suche selbst regelmäßig danach. Aber ganz ehrlich: Tauschen möchte ich die Zeiten nicht . Ich steh auf den Individualismus von heute und auf ein Leben in Selbstbestimmtheit. Das Gefühl und den Stil der damaligen Zeit lass ich aber gerne Mal in mein Leben einziehen. In Form von Klamotten, Sofas, Porzellan, Musik,…

Sodala … wieder mal ein großer Abschweifer meinerseits 😦 😉 jetzt aber zum Kleid Oona und Luzia 😉 …

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… so ein süßes, kleines Vintagekleidchen,  beständig und von Hand gemacht … hat doch was oder? In diesen Zeiten voller Ramschklamotten und Wegwerfmode … und auch wenn es gar nicht für mich ist, sondern für meine kleine Nichte Luzia ist, freue ich mich riesig darüber.

Wäre Luzia nicht der perfekte Typ für dieses Kleid, hätte ich es auch nicht für sie gemacht. Sie ist jetzt sechs Jahre alt und hat die weibliche Alleinherrschaft unter 6! Cousins. Sie weiß genau was sie will und lässt sich nicht unterkriegen 😉  Ja ich ich finde zu solch selbstbestimmten und süßen kleinen Mädchen, passt dieses Latzkleid haargenau.

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Als ich beschloss, dises Kleid zu nähen, hatte ich noch keine Stoffauswahl getroffen. Im Heft wurde ein weicher Wollstoff dafür verwendet. Mir fiel dann noch ein, dass ich mir einmal bei Stoffe Müller einen tollen rot weiß gewebten Wollstoff mit einer Art Fischgrätmuster gekauft habe. Er war bestimmt schon alt, und passte deshalb wieder perfekt zu meinem Retro Kleidchen. Der antikblaue Futterstoff lag auch bereits zuhause. Die grünen Knöpfe sind ebenfalls von Stoffe Müller und mindestens so alt wie der Wollstoff 🙂 hehe ich liebe so nostalgische Materialien, gut wenn man in der Nähe ein solches Stoffgeschäft hat.

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Ich dachte mir eigentlich dass dieses Kleid kein großer Aufwand sein würde. Ich hab mich getäuscht… ich saß schon mal sehr lange beim Kräuseln der Rockteile, weil mein Stoff doch sehr dick war und ich somit seitlich noch einkürzen musste… Die Träger waren auch ein Problemkind. Ich habe sie vor dem zusammennähen nicht versäubert, war laut Schnittmuster nicht notwendig. Beim Wenden der zusammengenähten Träger ist mir dann aber der Stoff aufgerissen, weil das Gewebe sehr grob ist. Also alles nochmal von vorn.

Zusätzlich ist das Kleid seitlich mit einem Reißverschluss ausgestattet und hat ein Zuggummiband mit verstellbarer Größe eingenäht. Kopflöcher nähen kann ich mittlerweile schon ganz gut.

Luzis Kleid

Alles in allem war es ein 25 Stunden Projekt. Da ist aber das Schnittmuster ausschneiden natürlich schon dabei 😉 . Aber wer meinem Blog  schon länger folgt, der weiß, dass mich das gar nicht  stresst … Ganz im Gegenteil …  es entspannt sogar … dass ist wie Meditation 🙂 … nicht umsonst gibt es unter den nähenden  Instagramern den Hashtag #nähenistmeinyoga oder #nähenistwiezaubernkönnen… ich glaube die wissen alle was ich meine 🙂 🙂 🙂

Luzis Kleid_3

So, das war jetzt der längste Blogbeitrag ever …

… aber … ist doch schön wenn man was zu erzählen hat… 🙂

Ich wünsche dir noch einen wunderschönen Start in den Frühling

…und bis demnächst … auf NAHRISCH… 😉 😉 😉

 

 

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